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Einer der mit gabetriebenen LKW von Edeka, die an der IAA in Hannover zu bewundern waren. Quelle: CNG-Mobility.ch
Die hohen Dieselpreise schlagen den Spediteuren und Flottenmanagern europaweit auf den Magen und minimieren die ohnehin nicht hohen Margen. Alternativen sind daher gefragter denn je. Doch nicht für alle Strecken und Einsatzzwecke eignen sich Elektro-LKW. In der eher kleinräumigen Schweiz und im urbanen Raum sind die E-LKW mit Reichweiten von rund 600 Kilometern ohne Zwischenladen und vor allem dank der vollständigen Befreiung von der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) bis Ende 2030 aktuell klar im Vorteil.
Der Anteil reinelektrischer Fahrzeuge bei den neu zugelassenen Nutzfahrzeugen ab 16 Tonnen erreichte in der Schweiz daher wenig erstaunlich per Ende September 27,4 Prozent. Insgesamt wurden hierzulande 847 Elektro-LKW neu immatrikuliert. Im Segment zwischen 3,5 und 16 Tonnen Gesamtgewicht liegt der E-Anteil sogar bei 40,8 Prozent. Andere alternative Antriebe spielen im Schweizer Markt weiterhin eine untergeordnete Rolle. Seit Jahresbeginn wurden fünf Brennstoffzellenfahrzeuge und ein gasbetriebenes schweres Nutzfahrzeug ab 3,5 Tonnen neu zugelassen.
Lidl Schweiz und Krummen Kerzers haben einst für ihre Förderung der fossilfreien Logistik mit LNG-Trucks den «Swiss Logistics Award» erhalten. Quelle: Krummem Group
Auch einstige Biogas- und Bio-LNG/LBG-Pioniere wie die von den Brüdern Hans und Peter Krummen geführte Krummen Group, bei der rund ein Drittel der LKW-Flotte mit alternativen Antrieben unterwegs ist, setzen vermehrt auf Elektro-LKW. 2025 hat das Transport- und Logistikunternehmen bereits über 1,7 Millionen Kilometer vollelektrisch zurückgelegt. Das entspricht mehr als 10 Prozent der gesamten Kilometerleistung. Erstmals konnte das Unternehmen letztes Jahr trotz höherer Transportleistung seine absoluten Emissionen senken. «Wir wollen Teil der Lösung und nicht des Problems sein. Deshalb übernehmen wir Verantwortung, gehen neue Wege, um die Treibhausgase unseres Kerngeschäfts zu reduzieren und spätestens 2050 bei Netto-Null zu sein», so die beiden CEOs der Krummen Group.
Peter und Hans Krummen kümmern sich gemeinsam um die Geschicke der Krummen Group. Quelle: Krummem Group
Doch im Rest von Europa und auf langen Distanzen sind bei den sechs Millionen LKW, die täglich auf den europäischen Strassen unterwegs sind, weitere Alternativen gefragt. Auch wenn aktuell immer noch 93,2 Prozent davon mit teurem Diesel unterwegs sind: Ob CNG- oder LNG-Antriebe, beide sind den klassischen Dieselantrieben heute bezüglich Leistung und Reichweite mindestens ebenbürtig. Allerdings sind die Treibstoff- und Betriebskosten deutlich niedriger. Zudem ermöglichen sie beim Einsatz von Biogas oder Bio-LNG/LBG schon heute und nicht erst in Zukunft einen nahezu CO₂-neutralen Transport.
Ein LKW wird mit dem hochkalten LBG/Bio-LNG betankt. Quelle: Swen Gottschall/Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft
Ein Truck mit CNG-Antrieb erreicht je nach Fahrzeugtyp Reichweiten von bis zu 820 Kilometern pro Tankfüllung, mit Bio-LNG/LBG sind gar Reichweiten von bis zu 1800 Kilometern möglich. Entsprechende Serienfahrzeuge werden von Herstellern wie Scania, Iveco und Volvo Trucks angeboten. An der grössten Leitmesse der Transport- und LKW-Branche im Herbst in Hannover zeigte etwa Scania zwei neue LKW, die passend zum jeweiligen Einsatzbereich mit Biogas oder LBG/Bio-LNG betankt werden können. Und Volvo Trucks stellte einen viel beachteten LKW mit LNG-Antrieb für den nachhaltigen Einsatz auf längeren Strecken vor.
An der weltweiten Leitmesse für Transport und Logistik in Hannover (D) zeigte man die Vorteile von Bio-LNG/LBG auf. Quelle: CNG-Mobility.ch
Wie der Einsatz im täglichen Lieferverkehr funktioniert, zeigt der deutsche Lebensmittelhändler Edeka Minden-Hannover. Rund 600 der insgesamt etwa 650 LKW umfassenden Flotte sind bereits mit LBG/Bio-LNG unterwegs. Und an allen Edeka-Logistikstandorten steht inzwischen die entsprechende Tankinfrastruktur zur Verfügung. «Bio-LNG funktioniert in unserem Logistikalltag: mit hoher Reichweite, voller Leistungsfähigkeit und ohne Einschränkungen in der operativen Verfügbarkeit», sagt Thomas Steinlein, Geschäftsführer der Edeka Handelsgesellschaft Minden-Hannover mbH Logistik. «Gleichzeitig senken wir die Emissionen unserer Lieferungen messbar: Im Jahr 2026 sparen wir durch die Umstellung auf Bio-LNG 40’000 Tonnen CO2 ein.» Das entspricht etwa dem jährlichen CO₂-Ausstoss von rund 15’000 bis 20’000 Autos mit Benzinmotor oder der Kompensationsleistung von rund 3,2 Millionen ausgewachsenen Buchen innerhalb von einem Jahr.
Das Team von Reinert Logistics mit ihren Volvos mit LNG-Antrieb. Quelle: Reinert Logistics
Auch das deutsche Unternehmen Reinert Logistics, das bereits erfolgreich eine Tranche von 50 Volvo FH460 LNG-Sattelzugmaschinen im Einsatz hatte, setzte hier ein starkes Zeichen für diesen wirtschaftlichen und zugleich klimafreundlicheren Antrieb und bestellte für die weitere Flottenerneuerung gleich 500 Volvo FH Aero mit LNG-Antrieb – die bislang grösste Bestellung gasbetriebener Lastwagen weltweit. «Wir haben schon früh erkannt, dass Bio-LNG die richtige Lösung für uns ist. Die Möglichkeit, unsere LKW mit einem lokal produzierten Treibstoff aus Gülle, organischen Abfällen oder biogenen Reststoffen zu betreiben, ist einfach genial», so René Reinert, Gründer und Inhaber des Unternehmens. «Unsere Erfahrungen im täglichen Betrieb haben uns in unserer Entschlossenheit bestärkt, diesen Weg konsequent weiterzugehen – auch weil Volvo Trucks über ein hervorragendes Servicenetz für gasbetriebene LKW verfügt.»
Der schwedische Hersteller Volvo Trucks hat weltweit bereits über 10’000 LKW mit Gasantrieb an zufriedene Kundinnen und Kunden ausliefern können. Quelle: Volvo Trucks
Insgesamt hat Volvo Trucks weltweit bereits mehr als 10’000 gasbetriebene LKW ausliefern können. Angesichts der weiterhin ambitionierten Klimaziele im Verkehrssektor und der zuletzt stark gestiegenen Preise für fossile Treibstoffe rücken Biogas und das hochkalte, verflüssigte Bio-LNG/LBG nun noch stärker in den Fokus. «Durch die bereits vielfach bewährten Fahrzeugkonzepte können wir mit dem Gasantrieb passgenaue Antworten mit praxisgerechten und dauerhaft tragfähigen Lösungsvorschlägen geben», erläutert Thomas Wöber vom deutschen CNG-Club e.V. dazu. Er unterstützte in Hannover unter anderem das Verbio-Vertriebsteam bei der Beratung interessierter Spediteure und Logistikanbieter.
Verbio baut sein Tankstellennetz für den nachhaltigen Treibstoff – wie hier in Meineweh südwestlich von Leipzig – gezielt aus. Quelle: Verbio
Der europaweit führende Biotreibstoffproduzent Verbio sieht nicht nur in Deutschland weiterhin grosses Potenzial für die Herstellung von Biogas und Bio-LNG/LBG. Neben dem eigenen Verbio-Tankstellennetz, das Schritt für Schritt weiter ausgebaut wird, bietet Verbio auch Hand für attraktive Kooperationsmöglichkeiten beim Aufbau von Tankstationen für Unternehmen aus dem Logistikbereich direkt vor Ort. Und mit dem holländischen Unternehmen OG Clean Fuels, das mit derzeit rund 400 Stationen zu den grossen Tankstellenbetreibern für regenerativ erzeugte Treibstoffe in Europa zählt, baut ein weiterer Player die Infrastruktur für Biogas und Bio-LNG/LBG aus und somit ein zuverlässiges und engmaschiges Versorgungsnetz auf. Für Speditionen und Logistikunternehmen ist dies naturgemäss eines der wichtigsten Argumente neben dem wirtschaftlichen Aspekt, um auf diese alternative Antriebsvariante umzusteigen.
Die CNG-Tankstelle in Arlesheim soll dank einer geplanten Erweiterung Nutzerinnen und Nutzern auch künftig eine zuverlässige Betankungsmöglichkeit ermöglichen. Quelle: CNG-Mobility.ch
In der Schweiz sieht die Situation leider etwas anders aus: Trotz vereinzelter positiver Zeichen wie etwa der geplanten baulichen Anpassung der bestehenden CNG-Tankstelle des Gasverbund Mittelland in Arlesheim BL schrumpft das Netz der CNG- und Biogas-Tankstellen hierzulande aktuell. In Arlesheim sollen ein zusätzliches Kompressorgebäude sowie zwei weitere Speicherbündel für CNG installiert werden, damit mehr Fahrzeuge direkt nacheinander tanken können, ohne dass die Leistung der Anlage abnimmt. Ein Lichtblick, denn in anderen Regionen wie etwa in Payerne oder im freiburgischen Granges-Paccot verschwinden derzeit gerade wieder zwei Tankmöglichkeiten. Umso wichtiger wird für die verbliebenen gewerblichen und privaten Nutzerinnen und Nutzer dieser mit Biogas im Tank nachhaltigen Mobilitätsform künftig die Koordination weiterer Tankstellenschliessungen sein. (jas, 23. Oktober 2026)