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Power-to-Gas-Anlage wird ausgezeichnet

Mit insgesamt acht Schweizer Energieversorgern und der Stadtwerke-Allianz Swisspower betreibt Limeco seit letztem Jahr die erste Power-to-Gas-Anlage im industriellen Massstab. Nun wurde die Anlage mit dem renommierten Watt d’Or ausgezeichnet.

Der neue Multi-Energie-Hub, der das Limmattal auch in der Zukunft mit nachhaltiger Energie versorgen wird. Quelle: Limeco

Limeco verwertet regionalen Abfall und reinigt das Limmattaler Abwasser – und zwar nachhaltig. Denn mit ihren Anlagen produziert Limeco CO2-neutrale Wärme (Fernwärme) und Kälte, erneuerbaren Strom und grünes Gas. Saubere Energie, die den Menschen und Unternehmen im Limmattal zugutekommt: So leistet Limeco einen wesentlichen Beitrag zur Energie- und Klimawende. In Zeiten, in denen sich die Abhängigkeit von Gasimporten schmerzhaft offenbart, gewinnt die inländische Schweizer Produktion von erneuerbarem Gas an Bedeutung. Für die Gasindustrie ist dabei besonders interessant, dass die bestehende Gasinfrastruktur zumindest teilweise für die synthetischen Gase weiterverwendet werden kann, auch wenn der Gasverbrauch zur Erreichung des Netto-Null CO2-Emissionsziels bis 2050 stark abnehmen wird.

Die drei Modelle zeigen, wie der erneuerte Energie-Hub der Limeco – logischerweise auch mit Power-to-Gas-Anlage – nach den Vorstellungen der Achitekturteams dereinst aussehen soll. Quelle: Limeco

Seit April 2022 betreibt die Limeco die erste Power-to-Gas-Anlage in industriellem Massstab in der Schweiz. Sie hat eine Elektrolyseleistung von 2,5 Megawatt und kann pro Stunde 450 Kubikmeter Wasserstoff produzieren. Daraus entstehen pro Jahr bis zu 18’000 Megawattstunden synthetisches erneuerbares Gas, das ins lokale Gasnetz eingespeist wird. Die Pionieranlage soll zur professionellen Weiterentwicklung und Kostenoptimierung der Power-to-Gas-Technologie im Schweizer Energiesystem beitragen – und nun wurde sie mit einem der vom Bundesamt für Energie bereits zum sechszehnten Mal vergebenen, renommierten Energiepreise, dem Watt d’Or, bedacht.

Die Anlage steht an einem optimalen Ort, was sie zu einem veritablen Energie-Hub macht. Die Kehrichtverwertungsanlage wandelt die im Abfall enthaltene Energie in Wärme und erneuerbaren Strom um. Dieser Strom spaltet dann im Elektrolyseur Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff auf. Letzterer wird von Urbakterien, so genannten Archaeen, die aus dem Faulschlamm der Kläranlage stammen, sowie CO2 aus dem Klärgas in erneuerbares Methangas umgewandelt. Aus Abfall und Abwasser wird also auf kurzen Wegen wieder wertvolle und vor allem erneuerbare Energie.

Daniela Decurtins, Direktorin beim Verband der Schweizerischen Gasindustrie, überreicht Limeco-Geschäftsführer Patrik Feusi und Thomas Di Lorenzo, Leiter Abwasserwirtschaft Limeco, den Watt d’Or 2023. Quelle: BFE

Technisch umgesetzt wurde die 14 Millionen Franken teure Anlage von der Schmack Biogas GmbH (Anlagenbau) und der Microb Energy GmbH (Verfahren). Die Anlage läuft stabil und ist produktionsfähig. Doch im Moment – steht sie still! «Die Aufgabe der Anlage wäre ja, überschüssigen Strom in Energie umzuwandeln, die für den Winter gespeichert werden kann. Damit dies wirtschaftlich rentabel ist, sind aber viele Volllaststunden nötig», erklärt Thomas Di Lorenzo, Leiter Abwasserwirtschaft Limeco. Patrik Feusi, Geschäftsführer von Limeco, ergänzt: «In der derzeitigen Situation ist es jedoch nicht vertretbar, aus dem knappen Strom, der in Europa zu grossen Teilen aus Kohle und Erdgas produziert wird, Biogas zu machen. Darum liegt die Anlage nun im Winterschlaf. Und es kann sein, dass dies auch in den folgenden Wintern so sein wird.» Nichtdestotrotz werden Pläne für die Zukunft gewälzt. Zum Beispiel denkt man darüber nach, einen Speicher für den Wasserstoff zu bauen, oder, falls die Anlage flexibel genug ist, sie in der Regelenergiereserve von Swissgrid einzusetzen.

Das vom Bundesamt für Energie mit dem Schweizer Energiepreis Watt d’Or 2023 bedachte Projekt zeigt aber exemplarisch auch auf, wie hart die Rahmenbedingungen für innovative Projekt aktuell sein können und dass die Politik sich dringendst daran machen müsste, beispielsweise für den Ausbau der Biogasproduktion endlich klare Rahmenbedingungen zu schaffen: Nur dann wird eine schnelle und technologieoffene Herangehensweise an die Klimawende in der Schweiz möglich sein. (pd/jas, 17. Januar 2023)

Patrik Feusi, Geschäftsführer Limeco (links), und Luca Talarico, Manager Marketing & Kommunikation Limeco. Quelle: BFE

Die weiteren Preisträger des Watt d’Or 2023

Sonnige und smarte Community: In Lugaggia TI, einem kleinen Dorf unweit von Lugano, wurde ein wegweisendes dreijähriges Pilotprojekt abgeschlossen. Es wies erfolgreich nach, dass ein intelligent vernetzter und gesteuerter Zusammenschluss von Stromverbrauchern und Solarstromproduzenten den Eigenversorgungsgrad markant erhöhen kann.

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Sonnige Berufsaussichten mit Refugees Go Solar+: Das Programm baut eine Brücke zwischen der boomende Schweizer Solarbranche und vielen Geflüchteten, die gerne arbeiten würden, dies aber mangels einer hier anerkannten beruflichen Qualifizierung nicht dürfen. Initiiert wurde es von den beiden Berner Nichtregierungsorganisationen Solafrica und Root & Branch. Das Programm wird unter anderen durch den Fachverband Swissolar, EnergieSchweiz und das Staatssekretariat für Migration unterstützt.

 

 

 

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