Portal für klimafreundlichere Mobilität

SCCER Mobility
SCCER Mobility
 
 

Zu einseitiger Fokus auf Batterieautos

Forscher des Schweizer Kompetenzzentrum SCCER Mobility zeigen auf, wie der klimaneutrale Verkehr 2050 idealerweise aussehen sollte.

SCCER MobilityKonstantinos Boulouchos, Professor an der ETH Zürich und Leiter von SCCER Mobility (Mitte) im Gespräch. Quelle: SCCER Mobility

Das Klimaziel des Bundesrates ist klar, bis im Jahr 2050 will man Treibhausgasausstoss auf Null senken. Der Weg dahin ist aber noch nicht so klar, wie viele Politiker meinen. Dies offenbart ein Fazit des Schweizer Kompetenzzentrum SCCER Mobility, das aus Forschergruppen von Hochschulen und Industrieunternehmen besteht und seit 2014 auf diesem Gebiet forscht. Es skizzierte, wie der klimaneutrale Verkehr im Jahr 2050 idealerweise aussehen sollte. Dabei betrachteten die Wissenschaftler den Verkehrssektor nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit dem Strommarkt – bei der zunehmenden Elektrifizierung der Fahrzeuge ein logischer Schritt.

Am kostengünstigsten wird der klimaneutrale Verkehr 2050 gemäss den Forschern, wenn sich die Fahrzeugflotte zur Hälfte aus Batterieautos, zu einem Drittel aus Plug-in-Hybriden und zu einem Sechstel aus Brennstoffzellen-Autos zusammensetzt. «Unsere Untersuchungen zeigen, dass eine Dekarbonisierung der Personenwagen am besten durch eine Vielfalt verschiedener Antriebstechniken zu erreichen ist und nicht durch eine ausschliessliche Fokussierung auf das Batterieauto», erläuterte Konstantinos Boulouchos, Professor an der ETH Zürich und Leiter von SCCER Mobility, gegenüber der «NZZ am Sonntag».

Mobility E-FlotteDie Anzahl der Elektroautos nimmt zu, doch Forscher zeigen, dass Technologieoffenheit für einen klimaneutralen Verkehr im Jahr 2050 am kostengünstigsten wäre. Quelle: Mobility

Der Verkehrssektor ist künftig aufgrund der steigenden Elektrifizierung der Fahrzeuge eng mit dem Strommarkt verknüpft, was die gegenwärtige Klimapolitik nicht abbildet. Deshalb haben die Forscher vom Fussgänger bis zum Flugzeug nicht nur sämtliche Verkehrssektoren berücksichtigt, sondern auch andere Wirtschaftszweige und den grenzüberschreitenden Handel von Strom und anderen Energieträgern. Konstantinos Boulouchos bemängelt gegenüber der «NZZ am Sonntag», dass es heute nicht den geringsten regulatorischen Anreiz gebe, effiziente Elektroautos zu bauen. Selbst schwere Elektro-SUV sind in vielen Schweizer Kantonen mehrere Jahre von der Motorfahrzeugsteuer befreit.

Detaillierter betrachtet würden Plug-in-Hybride im Jahr 2050 für kürzere Strecken an der Steckdose geladen und für grosse Distanzen mit aus erneuerbaren Energien hergestelltem, synthetischem Treibstoff betankt. Und Brennstoffzellenfahrzeuge würden mit erneuerbarem Wasserstoff fahren. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren auf unseren Strassen machen also für die Forscher auch 2050 durchaus noch Sinn, solange sie mit erneuerbaren Treibstoffen betrieben werden. Dies ist übrigens auch heute schon problemlos möglich: Wer ein CNG-Fahrzeug fährt und Biogas tankt, ist mit einem erneuerbaren Treibstoff und nahezu CO2-neutral unterwegs. Da die gleiche Menge an CO2 entstehen würde, wenn die Biomasse ungenutzt verrotten würde. Und zwar egal, ob mit einem Kleinwagen, einem SUV oder einem Lastwagen. (jas, 26. August 2021)

Das könnte Sie auch interessieren

Klimafreundlichere Mobilität:
Dank unserem LinkedIn-Profil bleiben Sie am Ball!