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Während das Schweizer H2-Tankstellennetz an einigen Orten Lücken erhält, gibt man in der Ostschweiz gemeinsam Gas – über Landesgrenzen hinweg. Mit dem «H2-Lab: Wasserstoff-Ökosystem Bodensee-Alpenrhein» wird ein spannendes Projekt angestossen, von dem auch die nachhaltige Mobilität profitieren kann.
In der Zentralschweiz werden drei Agrola-Wasserstofftankstellen per Ende 2026 geschlossen. Quelle: Agrola Schweiz – Marion Nitsch/Lunax
Die Luzerner Landi-Genossenschaften Sursee, Sempach-Emmen und Luzern-West haben entschieden, ihre drei Agrola-Wasserstofftankstellen per Ende 2026 zu schliessen. So wird in der Zentralschweiz bald ein herbes Loch in der H2-Versorgung der Schweiz klaffen, während man in der Ostschweiz – und zwar sogar grenzüberschreitend – auf H2 setzt. Rund um Buchs SG skizziert man gerade die Zukunft der Wasserstoffwirtschaft neu. Im Rheintal und den angrenzenden Gebieten soll ein regelrechtes Wasserstoff-Ökosystem entstehen und so H2 und seine Anwendung in der Praxis vorantreiben.
In der Mobilität ist grüner Wasserstoff genau wie Biogas oder Bio-LNG/LBG eine spannende und vor allem nachhaltige Alternative zu einem Elektroantrieb, der sich nicht oder vielleicht noch nicht für alle Einsatzzwecke eignet. Im ersten Halbjahr 2026 haben viele Schweizer Unternehmen trotz wirtschaftlicher Unsicherheit in die Fuhrparkerneuerung investiert und dabei erfreulicherweise auch vermehrt auf emissionsarme Fahrzeuge gesetzt. Es wird sich jedoch zeigen müssen, ob dies nach der Anpassung der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) so bleibt.
Inzwischen ist in der Schweiz jeder vierte neuzugelassene LKW einer mit Elektroantrieb. Quelle: Mercedes-Benz Trucks
«Die Unternehmen investieren dort in neue Antriebe, wo sie betrieblich und wirtschaftlich überzeugen», so Thomas Rücker, Direktor von Auto-Schweiz. «Umso wichtiger sind langfristig verlässliche Rahmenbedingungen, die Planungssicherheit bei Investitionen ermöglichen.» Denn alternative Antriebskonzepte würden sich nur durchsetzen, wenn sie sich für die Transporteure rechneten, was derzeit offenbar nicht für jeden Einsatzzweck und in allen Gewichtsklassen möglich ist. Dennoch blieb der Anteil rein elektrischer Fahrzeuge (BEV) bei den neuen schweren Nutzfahrzeugen über 3,5 Tonnen mit 26,3 Prozent hoch. Kein Wunder: Diese profitierten beispielsweise im Gegensatz zu den CNG-Trucks, die mit Biogas im Tank ebenfalls nahezu CO2-neutral unterwegs sind, von einer Befreiung der LSVA und waren somit für die Spediteure eine klar attraktivere Variante.
Urs Brunner, Vorsitzender der Geschäftsleitung VfA Buchs SG, im Gespräch mit Teilnehmenden der Veranstaltung zur «H2-Lab: Wasserstoff-Ökosystem Bodensee-Alpenrhein». Quelle: OST
Und doch gibt es Einsatzgebiete in der Mobilität und beim Transport, in denen Biogas oder auch grüner Wasserstoff durchaus Sinn machen und eine valable Lösung sind, beispielsweise im Schwerlastverkehr oder auch in der Schifffahrt. Dies zeigt auch das Projekt «H2-Lab: Wasserstoff-Ökosystem Bodensee-Alpenrhein». Es wird vom IET Institut für Energietechnik der Ostschweizer Fachhochschule geleitet und zusammen mit elf Projektpartnern aus der Energiewirtschaft, Logistik und Schifffahrt durchgeführt. «Im zukünftigen, auf erneuerbaren Quellen basierenden Energiesystem wird die Bedeutung von Elektrizität als Energieträger zunehmen und ihr Anteil an der Endenergie von einem heutigen Viertel auf etwa die Hälfte ansteigen», rechnet Silvan Schmid, Projektleiter des H2-Lab, vor.
Der Seiten- und Hecklader für die Abfallentsorgung der Reihe Xcient von Hyundai konnte besichtigt werden. Quelle: OST
Zur besseren Speicherung elektrischer Energie wird ebenfalls nachhaltiger, also sogenannter grüner Wasserstoff (H2) eine wichtige Rolle einnehmen. Im «Wasserstoff-Kernnetz» Deutschlands ist vorgesehen, dass Lindau bis 2032 mit einer H2-Pipeline vom Norden versorgt wird. Der Anschluss bei Lindau bietet der Region Bodensee-Alpenrhein eine einzigartige Gelegenheit, die von Pionierunternehmen angestossenen lokalen H2-Projekte zu vernetzen. «Auch bei der Energiewende hat Versorgungssicherheit Priorität. Wasserstoff kann dazu einen Beitrag leisten. Dabei ist gerade in der grenzübergreifenden Bodenseeregion entscheidend, dass wir zusammenarbeiten – von der Planung bis zur Anwendung», erläutert Markus Bänziger, Direktor der IHK St.Gallen-Appenzell.

Das neue Projekt «H2-Lab» hat zum Ziel, im Raum Bodensee-Alpenrhein die Hürden für eine Wasserstoffwirtschaft zu senken und diese voranzubringen. Zum einen wird ein grenzüberschreitendes Wasserstoffnetz angedacht, das sich am bestehenden Gasnetz orientiert, dieses umnutzt und/oder durch neue Wasserstoff-Pipelines ergänzt wird. Zudem sollen die regulatorischen und technischen Herausforderungen für den grenzüberschreitenden H2-Handel geklärt werden. «Das ist insbesondere im transnationalen Raum Bodensee-Alpenrhein wichtig, um H2 unterschiedlicher Herkunft und Qualitäten handeln und nutzen zu können», erläutert Daniela Decurtins, Direktorin des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie VSG.
Gleich 20 neue Iveco mit CNG-Antrieb und Schweizer Biogas im Tank sorgen seit gut zwei Jahren in der Flotte der Migros Ostschweiz für mehr Nachhaltigkeit. Quelle: CNG-Mobility.ch
Wichtig ist aber auch die Zusammenarbeit in den konkreten Projekten über die Landesgrenzen hinweg. «Es werden wichtige Akteure aus dem Energie- und spezifisch aus dem Wasserstoffbereich erstmals an einen Tisch gebracht – über Ländergrenzen hinweg», sagt Marc Mächler, Regierungsrat des Kantons St.Gallen. Das resultierende Konsortium bildet eine starke Basis auch für künftige gemeinsame Projekte. Nicht erst in Zukunft, sondern bereits jetzt setzt die Migros Ostschweiz (GMOS) auf grünen Wasserstoff. Sie ist Pionierin, was den Betrieb von LKW mit erneuerbaren Antrieben angeht, und hat auch schon eine grosse Flotte mit 20 CNG-Lastwagen, die dank Biogas im Tank nahezu CO2-neutral unterwegs sind, sowie bereits einige Hyundai Xcient Fuel Cell im Einsatz.

Der Wasserstoff für H2-LKW stammt aus dem Kraftwerk Kubel. Seit 2022 produzieren hier die St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) gemeinsam mit der Osterwalder Gruppe und der SN Erneuerbare Energie AG CO2-neutralen Wasserstoff aus Wasserkraft für den Schweizer Schwertransport. Quelle: Migros – Daniel Balmer
Um die Filialen des Detailhändlers ab der Betriebszentrale in Gossau SG mit frischen Produkten zu versorgen, spult die Migros-Flotte täglich 19’000 Kilometer ab und liefert rund 8800 Paletten an die Supermärkte zwischen Graubünden und Schaffhausen aus. Daniel Balmer, Leiter Transportlogistik der GMOS, betonte, dass die Zuverlässigkeit der Technologien zentral sei. Viele der Fahrstrecken könnten batterieelektrische Fahrzeuge übernehmen. Es gibt jedoch Einsatzgebiete und -zeiten, bei denen eine andere Lösung gebraucht wird. Dort kommen Biogas-, kombinierte Lösungen mit der Bahn oder Wasserstoff-LKW zum Einsatz. Und diese stammten bis vor Kurzem vornehmlich vom koreanischen Hersteller Hyundai. Doch nun sind bei der Migros auch Fahrzeuge von Scania und Iveco mit Brennstoffzellenantrieb im Einsatz. (pd/jas, 7. Juli 2026)
Die Migros Ostschweiz ist auch Teil des Scania-Pilot-Partner-Programms, es bietet Raum für gemeinsame Entwicklung, Erprobung und Austausch von Wasserstoff-LKWs. Quelle: Migros – Daniel Balmer