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GMOS - Natalie Löhrer
 
 

Gelebte Kreislaufwirtschaft mit Biogas

Biotta-Säfte stehen für die Essenz der Natur und Nachhaltigkeit – schon seit 1957. Zusammen mit der Migros werden sie nun noch klimafreundlicher transportiert. Denn statt leer ins Verteilzentrum in Gossau SG zurückzufahren, transportiert der Biogas-LKW der Migros Ostschweiz nun Paletten mit Botta-Säften.

Seit 1957 gibt es die unterschiedlichsten, naturbelassenen Gemüse- und Fruchtsäften der Schweizer Saftmanufaktur Biotta bereits. Quelle: Biotta

Vom Feld bis in die Flasche versucht die Schweizer Saftmanufaktur Biotta aus dem thurgauischen Tägerwilen so nachhaltig wie möglich zu sein. Der Betrieb stellte schon 1951 auf biologischen Anbau um, als noch niemand nach Bio oder Biolabels verlangte – und brachte dann 1957 den ersten Biotta-Saft in den Handel. Der frisch gepresste Bio-Rüblisaft gehört übrigens immer noch zu den Bestsellern des in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich angewachsenen Sortiments an naturbelassenen Gemüse- und Fruchtsäften und weiteren nachhaltigen Bioprodukten.

Der Biogas-LKW der Migros holt nach der letzten Filialbelieferung nun palettenweise frische Biotta-Säfte ab. Quelle: GMOS – Natalie Löhrer

Seit 2022 wird das Unternehmen klimaneutral betrieben und ist von Myclimate zertifiziert. Das heisst: Alle CO2-Emissionen, die bei Biotta für die Herstellung der Säfte anfallen, werden wann immer möglich vermieden und dort, wo dies doch noch nicht möglich ist, durch anerkannte Klimaschutzprojekte kompensiert. «Nachhaltigkeit ist in unserem Unternehmen tief verankert. Es hat mich deshalb immer gestört, dass wir unsere Säfte nicht per Bahn nach Suhr ins Schweizer Verteilzentrum transportieren können», erläutert Peter Spühler, Leiter Verkauf Innendienst.

Daniel Balmer, Leiter Transportlogistik der Migros Ostschweiz (Mitte), erläutert dem St. Galler Regierungsrat Bruno Dammann (links) und dem Direktor des Bundesamts für Strassen Jürg Röthlisberger die Vorteile von Biogas-LKW und dem kombinierten Gütertransport. Quelle: GMOS

Da die Biotta-Manufaktur keinen Anschluss ans SBB-Netz hat, schien dieser Wunsch nach einem nachhaltigen Transport auf der Schiene bisher stets unrealisierbar – bis Spühler den Leiter Transportlogistik der Migros Ostschweiz, Daniel Balmer, kennenlernte. Für den Logistik-Experten ist schon lange klar, dass die Aufgabe die Antriebsart definiert und dass man die verschiedenen alternativen Antriebsarten nicht gegeneinander ausspielen sollte. Balmer kombiniert sie lieber. Das beweist er etwa mit fast CO2-neutraler Belieferung eines Migros-Markts und -Restaurants im Engadin. Seit Juli 2021 fährt hier ein zu 100 Prozent mit Schweizer Biogas betriebener CNG-LKW von der Betriebszentrale der Migros Ostschweiz in Gossau SG zum Bahnhof in Landquart GR. Dort werden die Pritschen auf die Rhätische Bahn verladen und entweder durch den Vereina-Tunnel oder via Albula nach Samedan GR zur Migros-Filiale Porta Samedan transportiert.

Dank Transport per Bahn und Biogas-LKW kann sogar die Migros-Filiale im Engadin nahezu CO2-neutral mit Frischwaren beliefert werden. Quelle: Migros/Ineedcontent.ch

Daniel Balmer und Peter Spühler haben nun gemeinsam einen Weg gefunden, wie die Migros Leerfahrten verhindern kann und wie die beliebten Biosäfte seit Anfang 2023 nahezu CO2-neutral zu ihrem Bahntransport kommen – eine clevere Zusammenarbeit von zwei Unternehmen, denen die Natur am Herzen liegt und die mit einer gelebten Kreislaufwirtschaft etwas für weniger Emissionen in der Logistik und im Güterverkehr tun. Und so simpel funktioniert es: Migros-Chauffeur Avdo Kvrgic beliefert mit seinem Biogas-Sattelschlepper nämlich nicht nur diverse Osterschweizer Migros-Filialen mit Frischwaren, Getränken, Gewürzen, Tierfutter und weiteren Produkten, sondern fährt nach seinem letzten Halt in der Filiale Seepark in Kreuzlingen TG nicht direkt und höchstens mit einigen Retouren beladen zurück in die Betriebszentrale.

Der Biogas-LKW vor dem Gründerhaus und Hauptsitz der Saftmanufaktur Biotta in Tägerwilen TG. Quelle: GMOS – Natalie Löhrer

Stattdessen legt Kvrgic, der seit 22 Jahren für die Migros Ostschweiz unterwegs ist und seit vier Jahren stolz einen LKW mit CNG-Antrieb und Schweizer Biogas im Tank fährt, auf dem Rückweg einmal pro Woche noch einen Zwischenstopp bei Biotta in Tägerwilen ein. Dort lädt er 19 Paletten mit Gemüse- und Fruchtsäften in den Hänger und fährt statt leer mit über 15 Tonnen wertvollem Gepäck in die Betriebszentrale nach Gossau SG. Ein Kollege verfrachtet die Biotta-Säfte dann mit dem Gabelstapler in den Bahnwaggon. Am nächsten Morgen tritt jener seine Reise nach Suhr an.

Migros-Chauffeur Avdo Kvrgic beim Beladen seines Biogas-LKW mit Biotta-Säften. Quelle: GMOS – Natalie Löhrer

Dank der Zusammenarbeit von Biotta und Migros Ostschweiz wird das bestehende Transportnetz optimal ausgelastet. «Der Transport der Säfte von Tägerwilen nach Gossau ist in den Rückweg der Filialbelieferung eingeplant. Es entstehen keine Mehrkilometer», betont Daniel Balmer. Dasselbe gilt auch für den Bahntransport von Gossau nach Suhr: Täglich erreichen im Schnitt 48 Güterwagen voller Migros-Produkte die Gossauer Betriebszentrale, und auch diese Wagons müssen irgendwann zurück nach Suhr. «Wir dürfen jährlich rund 2,5 Millionen Flaschen an die Migros liefern – dank des neuen Transportwegs können wir dabei rund drei Tonnen CO₂ einsparen», rechnet Spühler vor.

Dank der cleveren Kombination der unterschiedlichen Transportvarianten kann Biotta rund 3 Tonnen CO2 einsparen. Quelle: GMOS – Natalie Löhrer

Ein Beispiel für eine gelebte Kreislaufwirtschaft, das Schule machen sollte: Leerfahrten sollte man selbst mit Biogas-Lastwagen, die nahezu CO2-neutral unterwegs sind, vermeiden. Und von der Zusammenarbeit der Unternehmen profitiert neben der Migros und Biotta auch noch die Umwelt! (pd/jas, 8. August 2023)

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