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Claude Etique - Biogas aus Bure
 
 

Ein Jurassier gibt Vollgas

Aus dem Mist seiner Nachbarn produziert Claude Etique schon heute Biogas für seine CNG-Audi. Nächster, logischer Schritt für den Jurassier: eine Tankstelle mit regionalem Biogas, damit nicht nur er von CO2-neutralem Treibstoff profitieren kann.

Claude Etique - Biogas aus Bure
Claude Etique, Leiter von Bio-Energ’Etique, möchte seine Biogas-Tankstelle in Bure JU auch für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Quelle: Etique

Das kleine Schweizer Bauerndorf Bure nahe der französischen Grenze kennen die meisten ausserhalb des Juras höchstens von Militäreinsätzen auf dem Waffenplatz. Doch das könnte sich nun ändern, denn in Bure steht seit Mitte Juni auch die erste Biogas-Produktionsanlage samt Tankstelle der Westschweiz. Der innovative Jurassier Claude Etique gibt hier Vollgas und fährt dank des Mists seiner Nachbarn CO2-neutral.

«Wohl verstanden, ich stecke den Mist nicht direkt in meinen Tank», präzisiert Etique, Leiter von Bio-Energ’Etique, schmunzelnd. «Wir behandeln den Mist und die restlichen organischen Abfälle in zwei grossen Tanks. Dann extrahiere ich das Biogas. Die Anlage produziert 1,5 kg Biogas pro Stunde, was etwa dem Brennwert von drei Litern Benzin entspricht.» Momentan ist das Biogas noch hauptsächlich für seinen privaten Gebrauch bestimmt. Die Zapfsäule des Jurassiers steht auch nicht an einer herkömmlichen Tankstelle, sondern gleich neben der Biogasanlage, die in erster Linie Strom ins BKW-Netz einspeist.

Claude Etique, Leiter von Bio-Energ'Etique
Die Anlage von Claude Etique produziert 1,5 kg Biogas pro Stunde, was etwa dem Brennwert von drei Litern Benzin entspricht. Quelle: Etique

Die Fermentieranlage verarbeitet neben Mist auch Gülle, Gras, Kaffeesatz, Blätter und andere organische Abfälle. Neben dem Biogas für seine Fahrzeuge kann der Jurassier so auch Dünger für seine Felder und die seiner Nachbarn produzieren. Dadurch wächst wieder saftiges Gras für die Kühe, die so wiederum weiteren Mist für die Biogasanlage produzieren – ein perfekter lokaler Kreislauf!

Claude Etique besitzt zwei Audi-Modelle mit CNG-Antrieb. «Dank des Biogases bin ich für 400 Kilometer CO2-neutral unterwegs, danach wechselt der Motor automatisch auf den Benzinbetrieb», erklärt Etique, «und ich könnte nochmals 400 Kilometer fahren.» Der innovative Jurassier möchte nicht der einzige bleiben, der seine CNG-Fahrzeuge mit dem lokal produzierten Biogas tankt. Deshalb will er seine Tankstelle öffentlich zugänglich machen, wie die Tankstellen in Frutigen BE, Schönenwerd SO und Reiden LU, die bereits zu 100 Prozent regionales Biogas anbieten. «Zunächst muss ich hier weitere, interessierte Autofahrer finden. Je mehr, desto grösser sind die Chancen, dass mein Wunsch nach einer öffentlichen Tankstelle in Erfüllung geht.»

Claude Etique
Dank seines Biogas ist der Jurassier mit seinem Audi nahezu CO2-neutral unterwegs. Quelle: Etique

Claude Etique denkt dabei auch an die Schweizer Armee und traf sich daher schon mit einem hochrangigen Offizier. Macht Sinn, denn die mit Bio-Energ’Etique beheizte Kaserne liegt direkt gegenüber seiner Anlage. «Die Erweiterung des Kreises der potenziellen Kunden ist zweifellos eine unabdingbare Voraussetzung», erklärt auch Roman Derungs, Direktor von Energie du Jura. Die EDJ ist 30-prozentiger Aktionär von Bio-Energ’Etique und beauftragt, den Kanton bei der Energieumstellung zu unterstützen. «So könnten wir auch vermeiden, dass Herr Etique umsonst in die Entwicklung seiner Tankstellen investiert hat.» Denn bis der Jurassier das regional produzierte Biogas verkaufen kann, muss er sich noch diverse gesetzliche Genehmigungen beschaffen und einen speziellen Zähler einbauen, damit unter anderem die Steuern auf dem verkauften Biogas berechnet werden können. Doch Etique ist zuversichtlich, dass er auch diese Hürden noch nehmen wird. (jas, 13. August 2020)

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